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Innovative Lehre in Zeiten von KI

Bild zur Pressemitteilung: Innovative Lehre in Zeiten von KI

„Was bedeutet gute Lehre in einer Welt, in der Texte in Sekundenschnelle generiert und Hausarbeiten von Modellen geschrieben werden können?“ – Mit dieser Frage dürfte Prof. Viera Pirker, Vizepräsidentin der Goethe-Universität für Studium und Lehre, bei vielen im vollbesetzten Renate von Metzler-Saal einen Nerv getroffen haben. Doch auch in Zeiten von ChatGPT und Co. sei Lehre an der Goethe-Universität „ein gemeinsamer Suchprozess nach Wissen, Urteilsvermögen und Verantwortung“, so Pirker. Dafür brauche es Menschen, die nicht in gewohnten Mustern verharrten, sondern Lehre weiterdächten. Die mit dem 1822-Preis Ausgezeichneten stünden für besonderes Engagement: „Sie sehen ihre Aufgabe im Vermitteln von Wissen, aber wichtiger noch, im Ermöglichen eines Lernprozesses, der Selbsttätigkeit, kritische Reflexion und Teilhabe fördert“, so Pirker weiter.

Dr. Ingo Wiedemeier, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Sparkasse: „Aus tiefer Überzeugung begleiten wir mit der Stiftung der Frankfurter Sparkasse seit mehr als zwei Jahrzehnten den 1822-Universitätspreis. Denn eine exzellente Lehre bringt neue Generationen begeisterter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervor. Davon profitiert die universitäre Forschung, aber auch der gesamte Wirtschaftsstandort Rhein-Main.“

Erstmals verliehen wurde der 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre im Jahr 2001. Ziel war es, das Bewusstsein für die Bedeutung innovativer Hochschullehre zu schärfen und das Engagement herausragender Lehrender sichtbar zu machen. Den ersten und dritten Preis fördert die Stiftung der Frankfurter Sparkasse mit insgesamt 20.000 Euro, der 2. Preis in Höhe von 10.000 Euro wird von der Goethe-Universität finanziert. Der Preis wird jährlich vergeben, in diesem Jahr zum 24. Mal.

Die Studierenden selbst sind es, die die Kandidaten für den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre nominieren. Entschieden wird dann in einer eigens hierfür gebildeten Kommission, der auf Seiten der Goethe-Universität sowohl Studierende als auch wissenschaftliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie Professoren und Professorinnen angehören. Die Stiftung der Frankfurter Sparkasse ist, vertreten durch ihre Geschäftsführung, an der Entscheidung beteiligt. Innovation in der Lehre, besondere Qualität der Lehrveranstaltungen sowie außergewöhnliches Engagement bei der Betreuung von Studierenden – das sind die wesentlichen Kriterien, nach denen die Kandidaten beurteilt werden. Auch Aspekte wie Forschungsorientierung, Vernetzung von Theorie und Praxis, Einsatz während der Studieneingangsphase sowie Interdisziplinarität oder Diversität spielen eine Rolle.

Ein Vortrag zu übergeordneten aktuellen Themen zur Lehre gehört zur Tradition der Preisverleihung. „Von Co-Creation zu Co-Teaching: Generative KI als Impulsgeber für eine zukunftsorientierte Hochschullehre“: So lautete der Titel des Vortrags von Wirtschaftsinformatikerin Doris Weßels. ChatGPT & Co. hinterfragen die traditionelle Hochschullehre, so Weßels, die die Entwicklung von GenAI im Bildungsbereich bis hin zu agentenbasierten Formen des Co-Teachings von Mensch und Maschine skizzierte. Hochschulen stünden vor der Aufgabe, diesen tiefgreifenden Wandel im Einklang mit ihrem Bildungsauftrag zielorientiert, verantwortungsbewusst und rechtssicher in Abstimmung mit ihren Stakeholdern zu gestalten. Weßels ist Professorin für Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Kiel und Mitgründerin des virtuellen Kompetenzzentrums Künstliche Intelligenz und wissenschaftliches Arbeiten (VK:KIWA). Im Rahmen des KI-Anwendungszentrums Schleswig-Holstein leitet sie das Zukunftslabor Generative KI und betreut gemeinsam mit ihrem Team vielfältige KI-Projekte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung.

Moderiert wurde die Veranstaltung von den Studierenden Luca Malena Berger und Thessa König. Für die musikalische Umrahmung sorgte Bernhard Hollinger mit einer Darbietung im Spannungsfeld zwischen improvisierter Musik und experimenteller elektronischer Klangkunst.

Mit dem 1. Preis ausgezeichnet wurde der Kinder- und Jugendmediziner Dr. Boris Wittekindt, und zwar für sein außergewöhnlich breites und nachhaltiges Engagement in der Lehre. Seit vielen Jahren gestaltet er die Ausbildung im Fach Pädiatrie mit „didaktischer Exzellenz, organisatorischer Verantwortung und hoher Praxisnähe“, heißt es in der Begründung. Als Oberarzt der Neonatologie lehrt er in sämtlichen Phasen des Medizinstudiums und verbindet theoretische Grundlagen, patientenzentrierte Kommunikation und klinische Fallarbeit auf beispielhafte Weise. Mit interaktiven Vorlesungen, patientennahen Lehrformaten, Peer-Teaching-Angeboten, realistischen Prüfungssimulationen, digitalen Lehrmaterialien und einem eigenen Podcast schafft er vielfältige, praxisnahe Lernzugänge. Wittekindt lehrt nicht nur selbst, sondern gestaltet auch die medizinische Ausbildung weiter, setzt sich für die Evaluation der Lehre, die Curriculumsentwicklung sowie die Zusammenarbeit zwischen den Fachrichtungen ein. Die Studierenden erleben ihn als zugewandten, strukturierten und motivierenden Lehrer, der über das Fachliche hinaus Verbindungen zwischen Studierenden und medizinischem Personal schafft – zum Beispiel als Musiker im universitären Campus-Orchester.

Den 2. Preis erhält die Professorin für Romanische Literaturwissenschaft (Hispanistik und Lusitanistik) Romana Radlwimmer für ihre Lehre an der Schnittstelle von Literaturwissenschaft, kultureller Praxis und interkulturellem Austausch. Ihre Lehre zeichnet sich laut Nominierungsschreiben dadurch aus, dass sie den Seminarraum öffnet für gesellschaftliche Fragen. Sie lädt international anerkannte Autorinnen und Übersetzerinnen zu Lesungen, Vorträgen und Workshops ein. Dadurch erhalten die Studierenden unmittelbare Einblicke in kreative Schaffensprozesse, literarische Berufsfelder und kulturelle Kontexte jenseits des universitären Curriculums. Darüber hinaus initiiert Radlwimmer Exkursionen in die Frankfurter Literatur- und Kulturlandschaft – etwa in Buchhandlungen, Museen oder zu literarischen Veranstaltungen –, wodurch die Stadt selbst zum Lernraum wird. Ihre Lehre ist methodisch abwechslungsreich und partizipativ, und sie legt Wert auf überfachliche Kompetenzen wie Schreiben, Feedbackkultur und Zeitmanagement. Sie fördert studentische Eigeninitiative, u. a. durch eine barrierearme Plattform für studentisches Publizieren.

Den 3. Preis teilen sich der evangelische Theologen Dr. Johannes Friedrich Diehl und der Chemische Biologe Professor Alexander Heckel.  

Dr. Johannes Friedrich Diehl wird für seine über Jahre hinweg herausragende Lehrtätigkeit im Fach Evangelische Theologie ausgezeichnet. Die studentische Begründung verweist darauf, dass Diehl fachliche Exzellenz mit didaktischer Innovationskraft verbinde, vor allem bei der Vermittlung der hebräischen Sprache. Mit einer eigens entwickelten Lernplattform stellt er Studierenden digitale Lernmaterialien wie Audioaufnahmen, Vokabel- und Formentrainer sowie Übungsklausuren zur Verfügung, die beim Lernen helfen. Seine Lehrveranstaltungen sind gut strukturiert, methodisch vielfältig und an den Lernbedarfen der Studierenden orientiert. Evaluationsergebnisse nutzt Diehl, um sein Lehrangebot weiterzuentwickeln. Studierende erleben ihn als engagierten, jederzeit ansprechbaren Dozenten, der sowohl die Studieneingangsphase als auch vertiefende Lehrangebote didaktisch überzeugend gestaltet. Über seine Lehrtätigkeit hinaus engagiert sich Dr. Diehl als Vorsitzender des Hebraisten-Verbands für die strukturelle Weiterentwicklung der Sprachlehre im Hochschulkontext.

Prof. Alexander Heckel erhält den 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre für seine innovative und studierendenzentrierte Lehre in der Organischen Chemie. Seine Veranstaltungen zeichnen sich durch didaktische Klarheit, hohe Anschaulichkeit und Berücksichtigung heterogener Vorkenntnisse aus – insbesondere im interdisziplinären Studiengang Bioinformatik. Prof. Heckel gelingt es, komplexe Sachverhalte auch für fachfremde Studierende verständlich aufzubereiten, ohne die Tiefe des Stoffs zu vernachlässigen. Dabei nutzt er digitale und interaktive Lehrformate wie Virtual Reality und hybride Lernsettings, macht so abstrakte Inhalte greifbar und ermöglicht unterschiedliche Lernzugänge. Besonders hervorgehoben wird von den Studierenden seine motivierende Vortragsweise, die Nähe zur Forschung und zur Praxis – er arbeitet mit Beispielen u. a. aus seiner Tätigkeit als Rettungssanitäter. Sein kontinuierliches Engagement, seine hohe didaktische Kompetenz und Innovationsfreude machen ihn zu einem herausragenden Hochschullehrer im naturwissenschaftlichen Bereich.

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  • Pressebild Unipreis

    Das Bild zeigt die Preisträger des 1822-Universitätspreis für exzellente Lehre

    © Foto: Moritz Reich

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